set-up diagram

LA COULEUR DU SON
Nach Telemanns Schrift "Die Augenorgel des Pater Castel", 1739
Installation. loud speakers, video projection (2008)
space: Gesellschaftshaus Magdeburg, Blauer Salon, March 2-20, 2008

Notes
Im Jahre 1738 verbrachte Telemann einige Monate in Paris und lernte in dieser Zeit das "clavecin oculaire" kennen, einen damals sensationellen Prototyp der "Augenorgel" des experimentierfreudigen Jesuitenpaters Louis-Bertrand Castel. Der Bauplan dieses Instrumentes sah eine 12-Oktaven Klaviatur vor, in der jeder Ton einer bestimmten Farbe bzw., jede Oktave einer bestimmten Farbschattierung zugewiesen wurde. Die Apparatur und ihr Konzept beeindruckte Telemann und veranlasste ihn dazu, eine kleine Schrift darüber aus dem Französischen ins Deutsche zu übersetzen. In dieser kurzen Abhandlung werden Farb-/Tonkorrespondenzen beschrieben und einige ästhetische Grundsätze zur Simultanität von akustischen und visuellen Sinneseindräcken umrissen. Ausgehend von Telemanns Interesse an dieser Materie ist meine Installation la couleur du son in der Welt der Castelschen Farb-/Tonkorrespondenzen angesiedelt. Jedem der insgesamt 144 Töne eines Tonumfanges von 12 Oktaven ist - dem System Pater Castels streng folgend - ein Farbton und ein oktavabhängiger Helligkeitsgrad zugewiesen. Die Farben werden als bewegliche Lichtgestalten auf eine Leinwand projeziert. Die dazugehörigen Töne erklingen über eine im Raum verteilte vierkanalige Klanginstallation. Das klangliche Material selbst besteht aus verschiedenen Tonvorräten, die über computergesteuerte Algorithmen zum Teil tonal (i.e. Dur/Moll), zum Teil frei (chromatisch) organisiert sind. Die Tonhöhen erklingen sukzessiv (melodisch) oder simultan (kontrapunktisch/harmonisch) und stehen jeweils in direkter Korrespondenz zu ihren farbigen Lichtwerten auf der Leinwand. Der Besucher tritt ein in einen kleinen Kosmos aus akustisch/visuell animierten Figuren, der - mit den Worten Castels - "den Farben und Tönen ausser harmonischer Ordnung eine gewisse Art von Leichtigkeit und Lebhaftigkeit gibt, wie sie niemals ein unbewegtes Gemälde haben könnte."